Mission Location Check – oder wie das Ferrero-Werk nach Stadtallendorf kam

Wie wählt man eigentlich den ersten Auslandsstandort für ein junges Unternehmen aus? Und wer übernimmt diesen Job? Bei der Gründung von Ferrero in Deutschland war das klare Chefsache – und der erste Schritt in eine internationale Zukunft.

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Wie alles anfing …

1956. Michele Ferrero und sein Mitarbeiter, ein junger Ingenieur, landen auf dem Frankfurter Flughafen. Die Mission der beiden: Einen Standort für das erste Ferrero-Produktionswerk außerhalb Italiens zu finden. Michele – sein Vater Pietro und dessen Bruder hatten das Unternehmen 1947 in Italien gegründet – wäre am liebsten gleich in Frankfurt geblieben. Die Stadt liegt zentral in Deutschland und ist von Italien aus gut mit dem Flieger zu erreichen. Aber leider ist direkt vor Ort kein passendes Gelände zu finden.

Der perfekte Standort ist damals noch ein Dorf

Aber wo ein Wille ist, ist ein Weg. Und der führt die italienischen Scouts ins 100 Kilometer nördlich von Frankfurt gelegene damalige Allendorf. Ein Produktionsgebäude ist zu vermieten, die Lage perfekt und die Entscheidung daher schnell getroffen. Nach Abschluss aller Verträge kann es losgehen: In dem Örtchen nahe Marburg, das 1960 zur Stadt wird und seitdem konsequenterweise Stadtallendorf heißt, entsteht das neue Ferrero-Werk.

Ärmel hochkrempeln und loslegen

Weihnachtsfeier bei Ferrero

Am Anfang ist in jeder Hinsicht Aufbauarbeit gefragt. Gebäude herrichten, Arbeitsabläufe definieren, Mitarbeiter einstellen. Ferrero ist ein Startup, bevor das Wort erfunden wurde. Gelegentlich, so erzählen Kollegen der ersten Stunde, fehlte auch mal das passende Werkzeug. Aber: kein Problem – bringt man eben eine Zange von zu Hause mit und arbeitet weiter am großen Ziel. Wohl auch deshalb schwärmen die „Pioniere“ von damals noch heute: Eine tolle Zeit sei das gewesen. Täglich habe es neue Herausforderungen gegeben, der Zusammenhalt untereinander sei stark und Improvisationstalent eine Kernkompetenz gewesen. Höhepunkte jedes dieser Anfangsjahre waren aber die Weihnachtsfeiern, wird erzählt. Ein Weihnachtspäckchen für jeden Mitarbeiter inklusive.

Mit Mon Chéri ging’s los und bald folgte nutella

Schon ab 1957 wurde dann in Stadtallendorf Mon Chéri, die berühmte Kirschpraline von Ferrero produziert. Die Maschinen dazu kamen aus dem sonnigen Italien. Zwei Jahre später folgte hanuta, 1964 duplo. 1965 schließlich nutella – anfangs noch mit Etiketten, die per Hand aufs Glas geklebt wurden. Die Arbeit dieser Zeit trug Früchte: Der Umsatz, die Belegschaft und das Werksgelände wuchsen. Neue Produktions- und Lagerhallen entstanden. Und auch Michele Ferreros einstiger Plan, Frankfurt zum Firmensitz zu machen, wurde Realität: Nach dem Start in Stadtallendorf wurden in Frankfurt-Sachsenhausen zunächst Büros angemietet und Ende der 60er Jahre schließlich das „Ferrero-Haus“ im Hainer Weg bezogen.

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Ferrero Deutschland heute: 5000 Mitarbeiter aus über 100 Nationen

Und heute? Ferrero ist seinen Standorten treu geblieben. Das erste Werk außerhalb Italiens ist gewachsen und gehört nun zu den größeren in der Ferrero-Gruppe. Sie wird jetzt von Dr. Giovanni Ferrero geführt. Genau, dem Sohn von Michele Ferrero, der damals Hessen für Ferrero entdeckte.  5000 Mitarbeiter aus über 100 Nationen arbeiten in Deutschland für Ferrero. 30 Marken gehören zum Portfolio und werden von ihren Fans geliebt. Kinder Riegel zum Beispiel, Ferrero Küsschen, tic tac, Raffaello oder Milch-Schnitte. Vieles hat sich also entwickelt, und einiges ist so geblieben, wie es war. Der gute Zusammenhalt zwischen den Kollegen zum Beispiel. Und dass es an Weihnachten ein Päckchen für jeden Mitarbeiter gibt - natürlich gefüllt mit Ferrero-Weihnachtsleckereien.

 

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